Beruf und Karriere – Die Kunst, seine Berufung zu finden
Dass der Prozess, beruflich sein Berufungspotential zu finden, eine Kunst sei, klang für mich zunächst hoch interessant. Vor allem war ich auf Antworten gespannt, wie diese Kunst auszuüben sei. Doch ich wurde enttäuscht. Zunächst zu den positiven Eindrücken dieses Buches:
Es ist wunderbar geschrieben. Der Leser wird mit einer leicht verständlichen Sprache – vor allem in den ersten 25 Seiten – wunderbar abgeholt. Auch die Bezüge zwischen Berufung und philosophischen Erkenntnissen aus Neuzeit und Antike sind für historieninteressierte und philosophisch affine Leser gut recherchiert und hergestellt. Gratulation! Auch der „Neuling“, der sich erstmals mit „Berufungsthemen“ wie Karriere oder „Was will ich eigentlich machen“-Themen beschäftigt, erhält mit diesem Buch einen schönen Einstieg. Doch er sollte seine Erwartungen relativieren, wenn er zu diesem Buch greift.
Denn leider verstecken sich wichtige Aussagen und Handlungsanweisungen für die „Kunstausübung“ hinter ausführlichen historischen Bezügen und Binsenwahrheiten. Und das finde ich schade.
Und eine Beraterin, die in einem erfolgreichen Beraterhaus den Knochenjob einer Beraterin ausübt und im Fernsehturm in Berlin sitzend, das Leben reflektiert, um sich (wieder) selber zu (er-)finden, erscheint nach dem Gesamteindruck des Buchinhaltes eher eine Aufarbeitung des „Warum ich nicht mehr in der Knochenmühle Beratung arbeiten will“. Die Botschaft des Buches lautet summa summarum: „Arbeite erstmal richtig hart und lange genug, bis Du merkst, dass Du ausgebrannt ist. Und wenn Du dann Mitte 30 bist, also noch nicht zum alten Eisen gehörst, setze Dich in ein Kaffee und überlege Dir, so wie Platon & Co viel Zeit investierten, was Du eigentlich willst. Und wenn Du das noch nicht richtig herausgefunden hast, dann mache doch den alten (Berater-)Job einfach nur noch hin und wieder.“
Liebe Frau Petra Bock, Sie können wunderbar schreiben. Ich wünsche Ihrem Buch, dass es den einen und anderen wach rütteln wird. Doch Ihre eigene Karriere ist nicht die Datenbasis, von welcher Mitarbeiter und Führungskräfte ihre persönlichen Handlungsanweisungen ableiten können. Insofern bleibt der Findungsprozess der eigenen Berufung eine „Kunst“, nichts Neues also.
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