Medienmanagement und Unternehmenskommunikation

Der Blog von Prof. Dr. Gerald Lembke (Digitale Medien und Social Media Marketing)

Warum Teamentwicklungen meistens nichts bringen

Quelle: Team-Kreativ.de„Teamfähigkeit ist das Resultat aus dem Windkanal der Managementfibeln: Keine andere Eigenschaft wird in Stellenanzeigen so nachdrücklich von Mitarbeitern gefordert wie diese. Wer sie besitzt, beweist, dass er keine Mucken macht und sich gut integrieren kann – kurz: eine Art Stubenreinheitsattest.

Dabei gibt es längst Kritiker, die in der Teamhuberei vor allem eines sehen: eine unproduktive Bühne zur Selbstinszinierung. Tatsächlich haben Teams die Tendenz zum Kompromiss, ihr Produkt ist immer der kleinste gemeinsame Nennen – ergo Mittelmaß. Ihre Kernbotschaft lautet: Füge Dich ein!

Herausragen schadet, weil dich die Gruppe sonst mit Missgunst bestraft. Genies müssen sich daher meist der Mittelklasse-Mehrheit unterwerfen. Zudem fördern Teams Denkfaulheit. Es ist wie beim Schulchor: Während wenige singen, reicht es für die Mehrheit, nur die Lippen zu bewegen. Applaus gibt es trotzdem für alle.

Damit Teams funktionieren, brauchen Sie ein Klima, dass Eifersucht hemmt und Ehrgeiz fördert. Mit anderen Worten: die Fähigkeit zum Brainstorming Mehr können Sie auch nicht.“

Quelle. Wirtschaftswoche Nr. 26/2007 S. 132

Mein Statement dazu: Endlich einmal ein Artikel, der mir wirklich aus dem Herzen spricht. Warum? Weil ich über 15 JahrenQuelle: Amercian Express Teamentwicklungsmaßnahmen begleite – als Mitarbeiter damals oder Moderator heute -, die selten etwas bringen, außer ein seltsames Verhalten der armen Mitarbeiter, die diese Maßnahmen durchlaufen müssen oder dürfen. Wenn ich ein größeres Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern leiten würde, würde ich das Thema Teamentwicklung von jeglicher Agenda streichen.

Liebe Chefs im unteren und mittleren Management: Eure Mitarbeiter mögen das nicht. Lasst Sie mit dem Teamgequatsche in Ruhe und schafft eine Kultur des „Sich-Einbringens“, fördert Eure Potentials und regelt die Aufgaben der Anderen konsequent. Dann klappt´s auch mit Eurer Abteilung.

Einen interessanten Buchbeitrag hierzu:
Richard Gris (2008). Die Weiterbildungslüge. Warum Seminare und Trainings Kapital vernichten und Karrieren knicken. 248 Seiten. Frankfurt: Campus Verlag.


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Di, Juni 26 2007 » Aktuell, Kultur, Personal, Weiterbildung

2 Responses

  1. Maik Dopheide Juli 3 2007 @ 21:50

    Interessante Sichtweise auf das Thema Team – Teamentwicklung. So habe ich es selbst noch nicht gesehen. Ich denke aber – nach kurzer Überlegung – da ist etwas wahres dran. Vor allem der Vergleich mit dem Schulchor hinkt keinesfalls. In jedem Team gibt es windgeschützte Ecken, die natürlich auch gerne genutzt werden, um in Deckung zu gehen.

    Ich werde versuchen diesen Beitrag im Hinterkopf zu behalten und bei passender Gelegenheit daran zu denken.

  2. Juergen Heinl Juli 4 2007 @ 07:21

    Dass der Autor nach 15 Jahren “Erfahrung” mit Teamworkshops (immerhin schreibt er im Präsens!) ein so indifferentes Statement abgibt, mag vielleicht zu Diskussionen anregen oder gar einem pseudoökonomischen und populistischen Zeitgeistimpuls entsprechen; eine professionelle und fundierte Auseinandersetung ist es leider nicht.
    Meine Wertung: Hauchdünn und wenig förderlich!

    PS: Wer sich gerne – empirisch – mit dem Erfolg seriöser Teaminterventionen beschäftigt, sei sowohl die Literatur der systemische Ansätze, als auch z. B. “Klärungshilfe” von Chtistoph Thomann empfohlen.

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